Ersatzteile, Instandsetzung und Motorenbau für Simson - Moto-Selmer.de
 
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Der (Resonanz-) Auspuff am Zweitakter

Hier soll verdeutlicht werden, daß der Auspuff am Zweitaktmotor keinesfalls nur eine schalldämmende Wirkung hat. Man glaubt es kaum: die Auslegung von Länge, Form und Volumen beeinflußt die Leistungsentwicklung des Zweitaktmotors in erheblichem Maße, spielt sie doch eine wichtige Rolle beim Vorgang des Gaswechsels im Zylinder. Außerdem ist sie sehr komplex, da schwer auszurechnen.

Der Zylinder soll möglichst schnell vom sehr heißen und unter großer Spannung stehendem Abgas (Altgas) befreit werden. Andererseits soll der Zylinder die bestmögliche Füllung mit Gemisch (Frischgas) erhalten. Gar nicht so einfach, sind doch beim angewandten Prinzip der 2-Takt Umkehrspülung für eine nicht unerhebliche Zeit sowohl Auslasslassschlitz, wie auch die Überströmkanäle, die den Zylinder mit Frischgas versorgen gleichzeitig geöffnet. Es findet im Zylinder also ein Gaswechsel von Altgas zu Frischgas statt. Durch die Öffnung von Auslass, sowie Überströmern wird es also zwangsläufig dazu kommen, daß unverbranntes Frischgas sich Richtung Auspuff davonmacht. Man spricht dann von Spülverlusten. Und hier kommt der Auspuff zum Tragen.

Und das funktioniert so:

Auspuff

Das sehr heiße Altgas strömt nach Öffnungsbeginn des Auslassschlitzes mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Krümmerrohr. Im Krümmer hat das Altgas die Möglichkeit sich auszudehnen und Wärme abzugeben. Wenn das Altgas nun den sich weitenden Diffusor (konischer Teil hinter dem Krümmer) erreicht, kühlt ers weiter ab und verlangsamt sich. Es entseht eine Unterdruckwelle, wodurch sich eine regelrechte Sogwirkung in Richtung Auslass bildet, die hilft das Altgas aus dem Zylinder zu „saugen“. Hierbei wird leider auch Frischgas mit aus dem Zylinder gesaugt.

Durch die Bauform des Auspuffs ist es nun möglich (in einem bestimmten Drehzahlbereich) das aus dem Zylinder gesaugte Frischgas wieder zurück zu „schieben“. Das Altgas trifft nun auf den sogenannten Gegenkonus (Trichterform). Die Druckwelle wird reflektiert in Richtung Auslass. Es bildet sich nun eine rückläufige Druckwelle und eben diese „schiebt“ das abgesaugte Frischgas (bei richtiger Auslegung des Auspuffs) kurz vor schließen des Auslasschlitzes (Kolben in der Aufwärtsbewegung) zurück in den Zylinder. Der Auspuff verursacht einen regelrechten Nachladeeffekt.

Deshalb sollte der Auspuff so ausgelegt sein, daß er zum einen den Zylinder rasch vom Altgas befreit um möglichst viel Raum für nachströmendes Altgas zu schaffen. Zum anderen sollte er den oben beschriebenen Effekt der „Rückladung“ ermöglichen. In der Summe wird sich dann eine Verbesserung, und das ist Sinn und Zweck, der Füllung mit Frischgas einstellen.

Es soll nicht verschwiegen werden, daß der Rückladeeffekt eingegrenzt wird durch den Faktor Zeit, bzw. nur in einem eingegrenzten Drehzahlbereich funktioniert (Resonanzdrehzahl). Je höher die Drehzahl, desto kürzer ist die Zeit, welche zwischen Öffnen und schließen des Auslassschlitzes vergeht. Die Zeit die die Druckwelle des Altgases im Auspuff zurücklegt verändert sich aber bedingt durch die feste Länge des Auspuffs nicht in diesem Maß. Vereinfacht ausgedrückt lässt sich dann die Aussage treffen, daß z.B. in sehr hohen Drehzahlen die Rückdruckwelle verspätet am Zylinder ankommt und dieser nicht aufgeladen werden kann.

Ich bin hier nur sehr grob auf das wirklich komplexe Auspuffthema eingegangen. Wer mehr wissen möchte, dem empfehle ich das Buch „Zweitakt-Motoren Tuning, Band1“ von Christian Rieck.

Veränderungen am Auspuff
Der Auspuff in seiner Bauform und Länge ist auf den Motor abgestimmt und sollte nicht verändert werden. Sicherlich lässt sich z.B. durch kürzen des Krümmerrohrs eine um ein paar Km/h höhere Endgeschwindigkeit erreichen. Erkauft durch weniger Leistung im unteren Drehzahlbereich. Ein teurer Preis!

Den gleichen Effekt haben sog. Rennauspuffanlagen, meist aber noch gravierender. Der Auspuff sollte wirklich so belassen werden, wie er ist. So geht’s am besten.

Auspuff Komplett

Wartung, Reparatur
Alle 2 Jahre und auf JEDEN FALL nach Einbau eines neuen Zylinders sollte der Auspuff demontiert und gereinigt werden.

Hierbei ist besonders auf die vorhandenen Engstellen im Schalldämpferteil zu achten. Am Auspuff wird NICHTS AUSGEBRANNT, da demontierbar. Der Auspuff wird komplett demontiert und von innen mechanisch gereinigt (Schweissdraht, alter Schraubendreher, o.ä.). Hierbei besonders auf die kleinen Löcher rings um den Gegenkonus, die Röhrchen im Schalldämpfer und die Engstelle im Endrohr achten.

Auspuff Engstellen Auspuff Engstellen Auspuff Engstellen
Engstelle am Ende Gegenkonus (umlaufende Bohrungen nicht vergessen) Röhrchen im Schalldämpferteil 2, bzw. 4 Stück Engstelle im zusammen-gekniffenen Endröhrchen

Das Krümmerrohr wird mit Schweissdraht freigekratzt. Die Montage beginnt immer zuerst am Krümmerrohr, bzw. Krümmermutter um zu gewährleisten, daß sich die Bördelung plan an die Dichtfläche des Auslasses anlegt. Ich verwende nur Krümmermuttern aus Stahl und 2 Fülldichtringe aus Kupfer, einer wird über das Krümmerrohr geschoben.

Auspuff Krümmerdichtung

Als Sicherung nehme ich die alte aus Federstahl. Die Einstecktiefe des Krümmers in den Trichter des Auspuffes beträgt 20mm (Krümmerlänge 360mm).

Nachbau und Original
Original ist natürlich am besten. Ansonsten nimmt man den Auspuff von MZA (mit Simsonlogo hinten drauf), da dieser die originalen Maße hat. Es gibt noch mindestens einen anderen Nachbau von dem ich abrate, da kein Gegenkonus vorhanden ist. Das Fahrzeug läuft mies mit diesem Teil, ist laut und "kommt nicht aus dem Quark".

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